75.000 Euro Soforthilfe für Notleidende in Ostkongo
Aachen. – Angesicht des Leids der ostkongolesischen Bevölkerung hat das katholische Entwicklungshilfswerk MISEREOR 75.000 Euro an Soforthilfe zur Verfügung gestellt. “Die Lage ist dramatisch”, sagt Raoul Bagopha, Kongo-Länderreferent bei MISEREOR. Schätzungsweise 1,6 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Viele sind vor den Kämpfen zwischen Regierungsarmee und M23-Rebellen in die Nachbarländer geflohen. Hunderttausende aber suchen im Land selbst Schutz. Sie verschärfen den Druck auf die ohnehin schon knappen Ressourcen. “Es gibt nicht genug zu essen, kaum sauberes Trinkwasser. Auch Wohnraum ist extrem knapp”, sagt Bagopha.
So gibt es in der Provinzhauptstadt Goma seit einer Woche weder Wasser noch Strom. Viele Flüchtlinge campieren in Schulen, Kirchen oder unter freiem Himmel. Die MISEREOR-Partnerorganisation der Salesianer Don Boscos hat in ihrem Bildungszentrum, in dem normalerweise 3.300 Kinder und Jugendliche Unterricht erhalten oder eine Ausbildung absolvieren, rund 7.000 Flüchtlinge aufgenommen. “Wir unterstützen die Versorgung der Flüchtlinge mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und Zeltplanen”, sagt Bagopha.
Auch die diözesane Organisation GRAM (Groupe d’Accompagnement des Malades), mit der MISEREOR seit 2006 zusammenarbeitet, hilft Flüchtlingen, die in Schulen und Kirchen Schutz gefunden haben. Viele Vertriebene sind darüber hinaus bei Familien untergekommen, die das Wenige, was ihnen bleibt, teilen. GRAM-Mitarbeiter verteilen Essen, Decken und Arzneimittel an diese Familien. “Auch die Menschen, die leise und scheinbar unspektakulär helfen, brauchen unsere Solidarität”, betont Bagopha.
GRAM beschränkt sich dabei nicht nur auf das Verteilen von Hilfsgütern. “Wo es die Sicherheitslage zulässt, kehren die ersten Flüchtlinge wieder in ihre Dörfer zurück”, sagt Bagopha. Um ihnen eine sichere Heimkehr zu ermöglichen, stellt GRAM Fahrzeuge zur Verfügung. Darüber hinaus erhalten die Rückkehrenden auch einen Grundstock aus Lebensmitteln, Medikamenten, Töpfen und Decken. “Damit ermöglicht GRAM es vielen, wieder ein selbstbestimmtes, eigenständiges Leben zu führen und nicht mehr abhängig zu sein von der Hilfe anderer”, so Bagopha.
MISEREOR begrüßt die Beschlüsse der Internationalen Konferenz der Großen Seen Afrikas (ICGLR). Diese hatte die Rebellen am Wochenende aufgefordert, Goma zu verlassen. Die kongolesische Regierung wiederum solle sich mit den Forderungen der Rebellen auseinandersetzen, so die ICGLR. “Regierung und Rebellen müssen nun verhandeln”, fordert Bagopha. “Verhandlungen sind nach fast 20 Jahren Krieg und gewaltsamen Auseinandersetzungen der einzige Weg zu Frieden.”

Recent Comments