Weltfrauentag : Gewalt gegen Frauen in Indien hält an
8. März Weltfrauentag
45 weitere Vergewaltigungen in Delhi seit Dezember 2012
Wen hat die Nachricht der brutalen Vergewaltigung einer 23jährigen indischen Medizinstudentin Mitte Dezember 2012 in Indiens Hauptstadt Delhi nicht erschüttert! Trotz aller ärztlichen Bemühungen verstarb sie am 29. Dezember. Anfang Februar begann der Prozess gegen die Täter. Die Justiz reagiert erstaunlich schnell – unter dem Druck der Massen, die auf den Straßen im ganzen Land demonstrieren und unter der Beobachtung der nationalen und internationalen Medien.
Und dennoch gab es allein in Delhi seit der Gewalttat im Dezember 45 weitere Vergewaltigungen (die Dunkelziffer dürfte noch weit höher liegen). In der Tat gehört Gewalt gegen Frauen in Indien zum grausamen Alltag: Nach offiziellen Angaben richteten sich 2011 von rund 256.000 registrierten Gewalttaten mehr als 228.000 gegen Frauen. Und dies ist nur der Gipfel des Eisbergs: Die allermeisten Frauen wagen es überhaupt nicht, Anzeige zu erstatten – aus Scham und weil sie überzeugt sind, dass die Täter ohnedies nicht bestraft werden. Gerade Dalit-Frauen, die “Unberührbaren”, haben kaum eine Chance, gehört zu werden. Und was ist mit den „religiös legitimierten” Vergewaltigungen der Tempeltänzerinnen? Oder den zumindest geduldeten Vergewaltigungen von Frauen durch Soldaten im Nordosten des Landes? Was ist mit der Gewalt, die tagtäglich den Hausangestellten angetan wird? Gegen sexuelle Übergriffe der in der Regel höher gestellten Arbeitgeber können diese Frauen sich nicht wehren. Würden sie es wagen, Anzeige zu erstatten, wem würde man Glauben schenken: der kastenlosen Frau oder dem höher gestellten Hindu?
An jedem Tag werden in Indien mindestens drei Dalit-Frauen vergewaltigt. Wo bleibt da der Aufschrei der Nation?
Hoffen wir, dass der aktuelle Aufschrei nicht nur deshalb so vehement ist, weil es in Delhi eine junge Frau der Mittelklasse getroffen hat. Hoffen wir, dass die Zeit einfach reif ist für Veränderungen in der indischen Gesellschaft. Frauen und Männern demonstrieren jetzt lautstark für die Würde und den Schutz der Frauen. Sie fordern die indische Regierung heraus. Diese kann bei dem Massenaufstand nicht mehr schweigen. Premierminister Manmohan Singh rief dazu auf, die durch den Fall geweckten Emotionen für einen gesellschaftlichen Wandel zu nutzen: “Sie mag ihren Kampf ums Überleben verloren haben, aber es liegt an uns sicherzustellen, dass ihr Tod nicht umsonst war”, erklärte er. Präsident Mukherjee sagte, die 23-jährige sei stark und tapfer gewesen. “Sie ist eine wahre Heldin und symbolisiert die indische Jugend und Frauen auf das Beste.” Braucht ein Land wie Indien wirklich solche „Heldinnen”, um effektive Maßnahmen zum Schutz seiner Frauen zu ergreifen?
Die Regierung wird jetzt an ihren Taten gemessen werden: Der Prozess gegen die Täter hat begonnen, strenge Gesetze zum Schutz der Frauen vor sexueller Gewalt sind bereits in Vorbereitung.
Doch dies ist nur die eine Seite der Medaille: Gesetze allein können Frauen nicht schützen. Es geht um die grundsätzliche Anerkennung der Frau als Mensch mit gleicher Würde und gleichen Rechten wie ein Mann – vor allem auch der Dalit-Frauen. Und hier ist jeder Inder gefordert!
Zum gesamten Artikel auf der Homepage der Andheri-Hilfe Bonn
Pressekontakt:
Andheri-Hilfe Bonn e.V.
Georg Witzel
Mackestr. 53
53119 Bonn
0228-9265250
georg.witzel@andheri-hilfe.de
http://www.andheri-hilfe.de


Recent Comments